Luftaufnahme eines Gebirgszugs in Afghanistan
Luftaufnahme eines Gebirgszugs in Afghanistan
© Amy Amber unter CC-Lizenz

Afghanistan

Land am Hindukusch

Afghanistan wird in den Medien oft "Land am Hindukusch" genannt. Der Hindukusch ist ein Gebirge in Zentralasien. Es liegt zum größten Teil in Afghanistan und zum kleineren Teil im Nachbarland Pakistan.

An der Grenze zu Pakistan befindet sich auch der höchste Berg Afghanistans: der Noshaq. Mit 7.485 Metern ist er ungefähr zweieinhalb Mal so hoch wie der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze (2.962 Meter).

Die Sommer in Afghanistan sind heiß und die Winter sehr kalt. Der Süden besteht hauptsächlich aus Wüstenlandschaften.

Durch sie fließt der Hilmend, der längste Fluss des Landes (1.125 Kilometer). Anders als die meisten anderen Flüsse mündet er nicht ins Meer, sondern endet in einem See, wo sein Wasser versickert oder verdunstet.

Steckbrief Afghanistan

Lage Zentralasien (Binnenstaat, also ohne Zugang zum Meer)
Einwohner 31,6 Millionen
Landessprachen Etwa die Hälfte der Bevölkerung spricht Dari, eine Form des Persischen. Etwa ein Drittel spricht Paschtunisch (wird auch Paschtu genannt). Diese beiden Sprachen sind die offiziellen Amtssprachen. Insgesamt werden in Afghanistan etwa 49 verschiedene Sprachen und mehr als 200 Dialekte gesprochen.
Hauptstadt Kabul (etwa 3,3 Millionen Einwohner)
Armut Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Ungefähr ein Viertel der Menschen hat nicht genug zu essen.
Lebenserwartung 60 Jahre (Deutschland: 81 Jahre)
Bildung Fast 70 Prozent der Menschen in Afghanistan können nicht lesen und schreiben. 2001 gingen in Afghanistan knapp eine Million Kinder in die Schule – fast nur Jungen. Heute sind es neun Millionen Kinder, davon 40 Prozent Mädchen.
In welchen Bereichen hilft Deutschland? Gute Regierungsführung, Energie, Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Grund- und Berufsbildung

Ausführliche Informationen findet ihr auf der Seite www.bmz.de/afghanistan

Geschichte

Straßenansicht einer afghanischen Stadt
Straßenansicht einer afghanischen Stadt
© tpsdave unter CC-Lizenz

Afghanistan hat eine sehr lange Geschichte. Schon früh war das Land in den internationalen Handel eingebunden: Ein Teil der berühmten Seidenstraße, die für mehr als 1.000 Jahre als Karawanenroute zwischen Asien und Europa diente, führte durch Afghanistan. In den 1970er Jahren war Afghanistan ein beliebtes Ziel junger Rucksacktouristen.

Doch seit etwa 40 Jahren leidet das Land unter Krieg und Gewalt. 1978 brach ein Bürgerkrieg aus, 1979 marschierten Soldaten der damaligen Sowjetunion in Afghanistan ein. Es folgten viele Jahre, in denen afghanische Widerstandskämpfer (Mudschaheddin) gegen ihre Regierung und die sowjetische Armee kämpften. Selbst als die sowjetischen Truppen 1989 abzogen, kehrte kein Frieden ein: Die Mudschaheddin kämpften weiter gegen die Regierung in der Hauptstadt Kabul.

Karte von Afghanistan. Diese Kartendarstellung gibt nicht in jedem Einzelfall die völkerrechtliche Position der Bundesregierung wieder.
Karte von Afghanistan. Diese Kartendarstellung gibt nicht in jedem Einzelfall die völkerrechtliche Position der Bundesregierung wieder.
© BMZ

Die Taliban

1992 eroberten die Mudschaheddin die Hauptstadt und riefen einen islamischen Staat aus. In dieser Zeit entstand eine neue radikale Gruppe: die Taliban, die Kabul 1996 besetzten.

Die Islamisten verfolgen eine sehr intolerante Ideologie und setzen diese mit Waffengewalt durch. Sie sind davon überzeugt, dass die religiösen Regeln des Islam wichtiger sind als alle staatlichen und gesellschaftlichen Regeln und kulturellen Werte.

Welche Regeln der Koran tatsächlich formuliert und was sie für das heutige Zusammenleben bedeuten, ist aber innerhalb der verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen sehr umstritten.

Unter der Herrschaft der Taliban kam es zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen. Unter anderem wurden die Rechte von Frauen und Mädchen stark eingeschränkt.

Nachdem immer mehr Teile Afghanistans von den Taliban kontrolliert wurden, nutzten auch Terrororganisationen wie Al-Qaida das Land als Rückzugsraum. Die Organisation verübte unter anderem die Anschläge auf die USA am 11. September 2001, bei denen Flugzeuge in amerikanische Gebäude gelenkt wurden und Tausende Menschen starben.

Als Reaktion auf diese Anschläge wurde das Taliban-Regime in Afghanistan durch einen Militäreinsatz, an dem sich viele Staaten beteiligen, entmachtet.

Einige Gegenden des Landes stehen aber auch heute noch oder wieder unter der Kontrolle der Islamisten.

Frieden schaffen

Schülerinnen und Schüler in Afghanistan
Schülerinnen und Schüler in Afghanistan
© Wikiimages unter CC-Lizenz

Die afghanische Regierung und die internationale Gemeinschaft stehen nun vor der schweren Aufgabe, in Afghanistan Frieden zu schaffen. Dazu wurde 2001 eine internationale Friedenstruppe (International Security Assistance Force, ISAF) entsandt. Der Einsatz, an dem auch die Bundeswehr beteiligt war, endete 2014.

Die Staatengemeinschaft will Afghanistan jedoch noch bis 2024 dabei unterstützen, die Sicherheitslage zu stabilisieren, eine Friedensvereinbarung mit den Taliban zu schließen und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern.

Große Hoffnungen werden in die jungen Menschen gesetzt. Sie sind weltoffen, hungrig nach Frieden und Bildung und motiviert, ihr Land neu aufzubauen.

Das tut Deutschland

Deutschland spielt eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau Afghanistans. Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) unterstützt Afghanistan in den Bereichen gute Regierungsführung, Wirtschaftsförderung, Energie, Trink- und Abwassersysteme sowie Bildung und Ausbildung.

Ziel ist unter anderem, Arbeitsplätze zu schaffen und die staatlichen Einrichtungen und die Justiz zu stärken. Dadurch soll das Land politisch und wirtschaftlich stabil und unabhängig werden. Und es soll möglichst bald in der Lage sein, alle Aufgaben zu erfüllen, die ein moderner Staat gegenüber seiner Bevölkerung hat.

Gut zu wissen

Straße in der afghanischen Hauptstadt Kabul
Straße in der afghanischen Hauptstadt Kabul
© Ninara unter CC-Lizenz

Ein großes Problem für die Menschen in Afghanistan sind Landminen. Als Folge der jahrzehntelangen Kriege sind in vielen Gegenden des Landes solche Sprengkörper vergraben. Wenn man auf sie tritt, können sie explodieren.

Die afghanische Hauptstadt Kabul gilt als am stärksten von Landminen belastete Stadt der Welt. Immer wieder werden Menschen durch diese Minen getötet oder schwer verletzt. Sehr viele der Opfer sind Kinder.

Afghanische Mädchen recherchieren im Internet für den Schulunterricht.
Afghanische Mädchen recherchieren im Internet für den Schulunterricht.
© tpsdave unter CC-Lizenz