Armut

Was bedeutet Armut? Wie lässt sie sich messen? Auf diese Fragen gibt es keine einfache Antwort. Menschen, die so wenig Geld haben, dass sie jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen, gelten als "absolut arm". Sie können nicht mal die wichtigsten Dinge wie Essen, Kleidung, Miete, Schulbildung oder Medikamente bezahlen. Die meisten absolut armen Menschen leben in Entwicklungsländern.

"Relativ arm" werden Personen oder Familien genannt, die deutlich weniger Geld haben als die meisten Menschen in ihrer Umgebung – also zum Beispiel in dem Ort oder dem Land, in dem sie wohnen. Relativ arme Menschen gibt es auch in den Industrieländern.

Sie müssen zwar nicht hungern, ihre Chancen auf ein erfolgreiches und zufriedenstellendes Leben sind trotzdem schlechter als die von anderen Menschen. Zum Beispiel können Eltern, die nur sehr wenig Geld haben, ihren Kindern keinen Nachhilfeunterricht bezahlen, wenn sie mal Probleme in der Schule haben. Auch für Sport oder Musikunterricht reicht das Geld meistens nicht aus – und schon gar nicht für einen modernen Computer oder Urlaubsreisen in ferne Länder.

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© BMZ

Was ist Armut?

Ursachen von Armut

Armut hat viele Formen und viele Ursachen. Zum Beispiel Dürreperioden, die die Ernte vernichten, Arbeitslöhne, die nicht ausreichen, um das Nötigste zu bezahlen, Regierungen, die nicht dafür sorgen, dass die Reichtümer des Landes gerecht an alle Einwohner verteilt werden, starke Verschuldung von Staaten, Kriege, Epidemien und Naturkatastrophen und vererbte Armut: Wer arme Eltern hat und darum nicht zur Schule gehen kann, bleibt sehr oft auch selbst arm.

Meistens sind mehrere Gründe gleichzeitig für die Armut der Menschen in einem Land verantwortlich. Viele Ursachen können von den betroffenen Ländern nicht selbst und nicht allein beeinflusst werden. Sie haben nur dann eine Chance, ihre Situation zu verbessern, wenn sie den Kampf gegen die Armut zusammen mit anderen Länden und der internationalen Staatengemeinschaft führen können.

Frauen in einem Flüchtlingslager in der Zentralafrikanischen Republik

© Thomas Koehler/photothek.net

Wie kann man Armut messen?

Es gibt verschiedene Arten, Armut zu messen. Viele Fachleute richten sich nach einer Definition der Weltbank. Sie hat ausgerechnet, dass man mindestens 1,90 US-Dollar pro Tag braucht, um überleben zu können (das sind ungefähr 1,70 Euro). Dieser Wert wird in die Währung der verschiedenen Länder umgerechnet und an die dortigen Preise angepasst. (Denn Brot oder Reis sind ja nicht in allen Ländern gleich teuer.) Menschen, die weniger Geld zur Verfügung haben, bezeichnet die Weltbank als extrem arm. Von den mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Welt leben vermutlich etwa eine Milliarde in extremer Armut.

Index der menschlichen Entwicklung

Ob ein ganzes Land arm ist, kann man zum Beispiel am "Index der menschlichen Entwicklung" der Vereinten Nationen ablesen (englisch: Human Development Index, HDI).

Dieses Verzeichnis beschreibt das Wohlbefinden der Bevölkerung in insgesamt 188 Ländern anhand von vielen verschiedenen Zahlen und Fakten.

Dabei kommt es nicht nur darauf an, wie viel Geld die Menschen verdienen. Unter anderem wird auch untersucht, wie alt die Menschen in den einzelnen Ländern werden, wie viele nicht lesen und schreiben können, wie viele Jahre die Kinder zur Schule gehen und wie viel Geld das Land in die medizinische Versorgung investiert.

Die ärmsten Länder der Welt sind laut HDI zurzeit Niger und die Zentralafrikanische Republik. Die reichsten Länder sind Norwegen und Australien. Deutschland ist auf der Liste das viertreichste Land der Welt.

Das tut Deutschland

Junge Familie in Goma, Demokratische Republik Kongo
Junge Familie in Goma, Demokratische Republik Kongo
© Ute Grabowsky/photothek.net

In Zukunft soll weltweit niemand mehr hungern und in Armut leben. – Alle Entwicklungsprojekte, die von der deutschen Regierung gefördert werden, tragen direkt oder indirekt zu diesem Ziel bei.

Deutschland fördert dazu in Entwicklungsländern Bildungs- und Gesundheitssysteme, Landwirtschaft, fairen Handel, Wirtschaft, Umweltschutz, die Einhaltung der Menschenrechte und vieles mehr.

Das Ziel, die Armut weltweit zu beseitigen, kann erreicht werden. Es ist jedoch wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich dafür einsetzen. Das kann durch politisches Engagement geschehen, aber auch durch ganz kleine Schritte im Alltag – zum Beispiel indem man Produkte kauft, bei denen man sicher sein kann, dass die Hersteller fair für ihre Arbeit bezahlt wurden.

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