Bangladesch

Bangladesch ist nicht einmal halb so groß wie Deutschland – dort leben aber ungefähr doppelt so viele Menschen: rund 160 Millionen. Im Durchschnitt leben dort mehr als 1.200 Menschen auf einem Quadratkilometer Landfläche (zum Vergleich: in Deutschland sind es ungefähr 230, in den USA nur etwa 35).

Die großen Flüsse des Landes – Ganges, Brahmaputra und Meghna – sind teilweise mehrere Kilometer breit und bilden die Lebensgrundlage der Menschen. Das wichtigste Produkt der Bäuerinnen und Bauern ist Reis. Da das fruchtbare Tiefland regelmäßig überflutet wird, sind – wenn alles gut geht – mehrere Ernten im Jahr möglich.

Doch das Wasser bringt auch ernsthafte Probleme mit sich: Sind die Überschwemmungen zu heftig, gehen ganze Ernten verloren und Straßen und Bahnstrecken werden zerstört. Der Klimawandel führt dazu, dass die Zahl dieser Überflutungen immer größer wird. Es gibt zwar mittlerweile Schutzhäuser, in die sich die Menschen bei Überschwemmungen und Wirbelstürmen retten können – doch die Vernichtung der Ernte und der Infrastruktur wird damit nicht verhindert.

Der Buriganga-Fluss in Dhaka, Bangladesch
Der Buriganga-Fluss in Dhaka, Bangladesch
© Nachoipd unter CC-Lizenz

Made in Bangladesh

Viele modische und preiswerte Kleidungsstücke, die in Europa angeboten werden, kommen aus Bangladesch. Die Textilindustrie gehört neben der Landwirtschaft zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen des Landes, sie bietet sehr vielen Menschen einen Arbeitsplatz.

Die Zustände in vielen Fabriken, in denen unsere Kleidung hergestellt wird, sind jedoch schlecht. Darum passieren immer wieder schwere Unfälle. Zum Beispiel stürzte 2013 in der Nähe der Hauptstadt Dhaka ein neunstöckiges Geschäfts- und Fabrikgebäude ein, in dem auch Waren für westliche Textilkonzerne hergestellt wurden. Mehr als 1.100 Menschen starben, mehr als 2.000 wurden verletzt.

Eine Untersuchung ergab, dass mehrere Etagen des Gebäudes ohne Genehmigung errichtet worden waren. Außerdem waren minderwertige Baumaterialien verwendet worden.

Sehr viele Arbeiterinnen und Arbeiter in den Textilfabriken, sind froh, dass sie einen Arbeitsplatz haben und Geld verdienen können. Die Löhne, die sie erhalten, sind aber oft viel zu gering, um davon Miete, Essen, den Schulbesuch der Kinder und die ärztliche Versorgung bezahlen zu können. Selbst die gesetzlich festgelegten Mindestlöhne sind meistens zu niedrig, um davon leben zu können. In Bangladesch erhalten einfache Näherinnen einen Mindestlohn von ungefähr 50 Euro im Monat.

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© Florian Oellers für BMZ

Esther Perbandt in Bangladesch

"Ein paar Cent Stundenlohn, lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, das ist nicht nachhaltig. Oder mit anderen Worten: das kann so nicht weitergehen."

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

Karte von Bangladesch. Diese Kartendarstellung gibt nicht in jedem Einzelfall die völkerrechtliche Position der Bundesregierung wieder.
Karte von Bangladesch. Diese Kartendarstellung gibt nicht in jedem Einzelfall die völkerrechtliche Position der Bundesregierung wieder.
© BMZ

Das tut Deutschland

Die deutsche Regierung setzt sich intensiv dafür ein, dass sich die Arbeitsbedingungen in Bangladesch bessern. Darum ist die Förderung der sogenannten Sozial- und Umweltstandards ein wichtiger Bereich der Entwicklungszusammenarbeit von Deutschland und Bangladesch. Deutschland will dazu beitragen, dass die Rechte der Beschäftigten stärker geschützt werden. Auf Anregung von Entwicklungsminister Gerd Müller wurde darum 2014 ein Bündnis für nachhaltige Textilien gegründet, das Mindeststandards für die Produktion setzt.

Inzwischen beteiligt sich ein großer Teil der deutschen Textilwirtschaft daran – viele bekannte Hersteller und Handelsunternehmen machen schon mit.

Deutschland unterstützt Bangladesch außerdem dabei, die Energieversorgung in den ländlichen Gebieten zu verbessern. Dort sind viele Haushalte noch nicht ans Stromnetz angeschlossen. Besonders gefördert wird die Nutzung erneuerbarer Energiequellen wie Sonnenlicht und Biogas.

Steckbrief Bangladesch

Lage Südasien
Einwohner rund 160 Millionen
Landessprachen Bengalisch, daneben gibt es zahlreiche weitere Sprachen, die aber nur von kleinen Minderheiten gesprochen werden, sehr viel Bangladescherinnen und Bangladescher sprechen außerdem Englisch.
Hauptstadt Dhaka
Armut Mehr als 40 Prozent der Menschen leben in extremer Armut
Lebenserwartung 71 Jahre (Deutschland: 81 Jahre)
Bildung Nur rund 60 Prozent der Menschen können lesen und schreiben. Die meisten Kinder besuchen zwar die Grundschule, viele von ihnen verlassen sie aber vor dem Abschluss.
In welchen Bereichen hilft Deutschland? Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, erneuerbare Energien und Energieeffizienz, gute Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte sowie Anpassung an den Klimawandel

Ausführliche Informationen findet ihr auf der Seite www.bmz.de/bangladesch

Gut zu wissen

Ein Obstverkäufer in Mongla, Bangladesch, liest Zeitung.
Ein Obstverkäufer in Mongla, Bangladesch, liest Zeitung.
© Thomas Trutschel/photothek.net

Neben den wiederkehrenden Überschwemmungen hat Bangladesch ein weiteres Wasserproblem: In manchem Gegenden enthält das Trinkwasser Arsen, das dort natürlicherweise im Boden vorhanden ist. Wer regelmäßig von dem gifthaltigen Wasser trinkt, kann schwer krank werden – das Wasser muss darum unbedingt gefiltert werden.

In Bangladesch bezahlt man mit der Währung "Taka". Ein Taka entspricht 100 Poisha.

Schiffe liegen am Ufer des weltgrößten Mangrovenwaldes (Sundarbans) nahe der Stadt Mongla, im Südwesten von Bangladesch
Schiffe liegen am Ufer des weltgrößten Mangrovenwaldes (Sundarbans) nahe der Stadt Mongla, im Südwesten von Bangladesch
© Thomas Trutschel/photothek.net