Syrische Kinder in einem Flüchtlingslager in Erbil, Nordirak
Syrische Kinder in einem Flüchtlingslager in Erbil, Nordirak
© Mustafa Khayat under CC-Licence

Flucht

Die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder

Mehr als 65 Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht – so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Und etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder. Die Menschen fliehen vor Kriegen und Konflikten, vor Gewalt und Unterdrückung.

Oder sie verlassen ihre Heimat, weil sie wegen ihrer politischen Überzeugung oder ihrer Religion verfolgt werden. Auch extreme Naturereignisse wie Dürren zwingen immer mehr Menschen zur Flucht.

"Alles, was wir hatten, ist verbrannt"

Die syrische Familie Hussein ist im Herbst 2013 in die libanesische Stadt Baalbek geflohen. Von links: Imad (33 Jahre), Lujain (5 Jahre), Raid (7 Jahre) und Nour (26 Jahre)
© forumZFD
Die syrische Familie Hussein ist im Herbst 2013 in die libanesische Stadt Baalbek geflohen. Von links: Imad (33 Jahre), Lujain (5 Jahre), Raid (7 Jahre) und Nour (26 Jahre)

Raid Hussein ist sieben Jahre alt und stammt aus Syrien. Dort herrscht seit 2011 Bürgerkrieg. 2013 wurde das Haus der Familie Hussein durch eine Bombe zerstört.

"Alles, was wir hatten, ist verbrannt", sagt Raids Vater Imad. Aber Raid, seine Eltern und seine fünfjährige Schwester Lujain konnten sich retten und in das Nachbarland Libanon flüchten. Dort wohnen sie jetzt gemeinsam mit einem Onkel von Raid zu fünft in einer Ein-Zimmer-Wohnung.

Lujain geht es sehr schlecht. Durch die Bombardierung erlitt sie ein Trauma, also eine schwere Verletzung ihrer Seele. Seither kann sie nicht mehr richtig sprechen und bekommt bei jedem lauten Geräusch panische Angst.

loading jwplayer
Game-of-Thrones-Star Tom Wlaschiha im Gespräch mit einer Bewohnerin eines Flüchtlingslagers im Libanon
© BMZ/Florian Oellers

Mit Tom Wlaschiha im Libanon

Game-of-Thrones-Star Tom Wlaschiha im Gespräch mit einer Bewohnerin eines Flüchtlingslagers im Libanon

Zahlen und Fakten

Hier sind einige interessante Informationen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), die helfen, die Situation der Geflüchteten zu verstehen:

Wenn sie nicht mehr zu Hause bleiben können, versuchen die meisten Menschen zunächst, sich in anderen Regionen ihres Heimatlandes in Sicherheit zu bringen: Von den mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht sind mehr als 40 Millionen sogenannte Binnenvertriebene, sie leben also noch in ihrem Herkunftsland.

Mehr als 20 Millionen Menschen haben ihr Heimatland verlassen, um in anderen Staaten Zuflucht zu suchen. Nur ein kleiner Teil von ihnen macht sich auf den Weg nach Europa. Rund 84 Prozent der Flüchtlinge werden von Entwicklungsländern aufgenommen.

Die meisten Geflüchteten nahmen im Jahr 2016 die Türkei, Pakistan, der Libanon, Iran, Uganda und Äthiopien auf. 2016 wurden täglich umgerechnet etwa 28.800 Menschen aus ihrem Heimatort vertrieben – das waren 20 Personen pro Minute.

Kein Land der Welt hat im Verhältnis zu seiner eigenen Größe so viele Flüchtlinge aufgenommen wie der Libanon: Mehr als eine Million Menschen aus Syrien haben in dem kleinen Land Schutz gefunden, das selbst nur etwa vier Millionen Einwohner hat. Das ist ungefähr so, als wären alle 890.000 Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland gekommen sind, in Berlin untergebracht worden.

Im Durchschnitt kehren geflüchtete Menschen erst nach 17 Jahren in ihre Heimatländer zurück.

loading jwplayer

© BMZ

Flüchtlingen helfen

Flüchtling, Binnenvertriebener, Asylbewerber – wer ist wer?

Das Völkerrecht unterscheidet zwischen Menschen, die aufgrund äußerer Einflüsse zur Flucht gezwungen sind (Flüchtlinge) und Menschen, die aus eigenem Antrieb auf der Suche nach besseren Lebensperspektiven ihr Land verlassen (Migranten).

Flüchtling

Nach Definition der Genfer Flüchtlingskonvention ist ein Flüchtling eine Person, die wegen ihrer Hautfarbe , Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt wird.

Sie benötigt internationalen Schutz, weil ihr eigener Staat diesen nicht mehr garantieren kann oder will. Ob eine solche Verfolgung vorliegt, wird in einem Asylverfahren festgestellt.

Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde, werden als Asylsuchende oder Asylbewerber bezeichnet.

Für den Schutz und die Unterstützung von Flüchtlingen ist das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) zuständig.

Binnenvertriebene

Voraussetzung für den Flüchtlingsstatus ist, dass die jeweilige Person eine Landesgrenze überschritten hat. Menschen, die in anderen Regionen ihres Heimatstaates Zuflucht finden, fallen daher nicht unter die Genfer Flüchtlingskonvention und damit auch nicht in die Zuständigkeit des UNHCR.

Für den Schutz und die Versorgung von diesen sogenannten Binnenvertriebenen sind die jeweiligen Staaten selbst verantwortlich, die dieser Aufgabe aber häufig nicht nachkommen können oder wollen. Internationale Unterstützung erhalten Binnenvertriebene nur, wenn ihre Regierung dem zustimmt.

Die englische Bezeichnung für Binnenvertriebene lautet "internally displaced persons", abgekürzt: IDPs.

Wintereinbruch im Flüchtlingslager Za'atari in Jordanien
Wintereinbruch im Flüchtlingslager Za'atari in Jordanien
© UNHCR/Brian Sokol under CC licence

Die schwierige Situation in den Aufnahmeländern

Ein Junge zapft im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari Wasser aus einem Tank.
Ein Junge zapft im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari Wasser aus einem Tank.
© Thomas Köhler/photothek

Viele der Länder, die Flüchtlinge aufnehmen, sind selbst sehr arm.

Der Zuzug von vielen Menschen in kurzer Zeit führt darum oft zu großen Problemen: Es fehlt an Unterkünften und Arbeitsmöglichkeiten, die Schulen können nicht alle Kinder aufnehmen, Wasser und Nahrungsmittel werden knapp.

Darunter leiden sowohl die Flüchtlinge als auch die lokale Bevölkerung.

Das tut Deutschland

Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) engagiert sich in vier Bereichen: Es will die Ursachen von Flucht beseitigen, Flüchtlinge unterstützen und den Gemeinden helfen, die viele geflüchtete Menschen aufnehmen. Außerdem werden Menschen unterstützt, die in ihr Heimatland zurückkehren wollen.

Für die Geflüchteten ist es sehr wichtig, an ihrem neuen Wohnort möglichst schnell wieder ein "normales" Leben führen zu können.

Deutschland hilft dabei, dass Kinder zur Schule gehen und Jugendliche eine Ausbildung machen können und dass Erwachsene eine Arbeit finden.

Dazu unterstützt das BMZ zum Beispiel Gemeinden in den Ländern, in denen viele Geflüchtete leben, beim Ausbau ihrer Infrastruktur, etwa beim Bau neuer Wasserleitungen, Schulen und Gesundheitszentren.

Beispiel Jordanien

Beispiel Libanon

Beispiel Jordanien

Cash-for-Work-Maßnahme in Jordanien
Cash-for-Work-Maßnahme in Jordanien
© www.playmedia.com

Cash for Work – Bares für Arbeit

Mit der Initiative "Cash for Work" schafft das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) in Jordanien Arbeit und Einkommen für Flüchtlinge und für die einheimische Bevölkerung. "Die Idee ist, durch diese Maßnahmen, die von Flüchtlingen und Jordaniern gemeinsam umgesetzt werden, auch in der Aufnahmegemeinde eine bleibende Verbesserung zu schaffen, sei es im Bereich Müllentsorgung, im Bereich Straßenbau oder im Bereich der Wasserversorgung", erklärt Nina Lutter, die für das BMZ arbeitet.

Beispiel Libanon

Mohamed Daif und seine Geschwister sind mit ihrer Familie aus Syrien geflohen und haben in der libanesischen Stadt Baalbek eine neue Heimat gefunden.
Mohamed Daif und seine Geschwister sind mit ihrer Familie aus Syrien geflohen und haben in der libanesischen Stadt Baalbek eine neue Heimat gefunden.
© forumZFD

Friedensarbeit in der Stadt Baalbek

In der Stadt Baalbek im Libanon hat das Forum Ziviler Friedensdienst mit Unterstützung des deutschen Entwicklungsministeriums Projekte ins Leben gerufen, bei denen sich Libanesen und Syrer besser kennenlernen und Vorurteile abbauen können.

Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge verbessern

Im Berufsbildungszentrum der Stadt Mafraq in Jordanien werden Frauen zu Klempnerinnen ausgebildet.
© Thomas Köhler/photothek.net
Im Berufsbildungszentrum der Stadt Mafraq in Jordanien werden Frauen zu Klempnerinnen ausgebildet.

Deutschland setzt sich auch dafür ein, die Lage in den Herkunftsländern so zu verbessern, dass die Menschen gar nicht erst flüchten müssen. Das BMZ unterstützt zum Beispiel Krisenländer dabei, ihre politische und wirtschaftliche Situation zu verbessern, Konflikte gewaltfrei zu lösen und zerstörte Straßen und Gebäude wieder aufzubauen.

Durch Arbeits- und Ausbildungsprogramme sollen vor allem junge Menschen die Chance bekommen, sich im eigenen Land eine Existenz aufzubauen. Auch Flüchtlinge, die in ihre Heimat zurückkehren, werden dabei unterstützt, dort wieder Fuß zu fassen.

Das BMZ ist in verschiedenen Regionen aktiv. Der Schwerpunkt liegt im Nahen Osten (Syrien und seine Nachbarländer) und in Afrika. Das Ministerium engagiert sich aber zum Beispiel auch in Afghanistan und Pakistan und in der Ukraine.