Eine Frau lässt sich in einem Krankenhaus in Burkina Faso auf HIV testen.
Eine Frau lässt sich in einem Krankenhaus in Burkina Faso auf HIV testen.
© Ute Grabowsky/photothek.net

HIV und Aids

Fast 37 Millionen Menschen auf der Welt sind HIV-positiv. "Positiv" heißt in diesem Fall nichts Gutes, sondern dass sie den Krankheitserreger HIV in sich tragen. Jedes Jahr stecken sich fast zwei Millionen Menschen neu mit diesem Erreger an. Übertragen wird das sogenannte HI-Virus meistens beim Geschlechtsverkehr oder durch Blut von einem Infizierten, zum Beispiel wenn Drogenabhängige dieselbe Spritze benutzen. Säuglinge können sich auch durch Muttermilch infizieren. Im normalen Alltagsleben ist das Ansteckungsrisiko dagegen extrem gering.

Die Abkürzung HIV steht für "Menschliches Immunschwäche-Virus" (englisch: Human Immunodeficiency Virus). Das Virus schädigt die körpereigene Abwehr, die auch Immunsystem genannt wird. So kann der Körper eindringende Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren nicht mehr wirksam bekämpfen.

Im schlimmsten Fall tritt dadurch nach längerer Zeit eine lebensbedrohliche Erkrankung auf, zum Beispiel eine schwere Lungenentzündung. Aus einer HIV-Infektion – die zunächst von den Betroffenen meistens gar nicht bemerkt wird – entsteht so das Krankheitsbild "Aids". Auch dieser Name geht auf eine Abkürzung zurück, er steht für "erworbenes Immunschwächesyndrom" (englisch: Acquired Immune Deficiency Syndrome).

Die Krankheit wurde 1981 zum ersten Mal von Wissenschaftlern beschrieben, 1983 wurde das HI-Virus entdeckt. Insgesamt haben sich seit dem Beginn der Epidemie 78 Millionen Menschen damit angesteckt, 35 Millionen Menschen sind seitdem an Aids gestorben.

Afrika besonders stark betroffen

In Südafrika sind besonders viele Menschen mit HIV infiziert. Diese junge Frau lässt sich auf das Virus testen.
In Südafrika sind besonders viele Menschen mit HIV infiziert. Diese junge Frau lässt sich auf das Virus testen.
© Greg Lomas/MSF

Das HI-Virus ist weltweit verbreitet. Besonders viele Menschen sind jedoch in Afrika betroffen: Von den derzeit knapp 37 Millionen Infizierten leben 19 Millionen, also mehr als die Hälfte, im östlichen oder südlichen Afrika, weitere 6,5 Millionen in West- und Zentralafrika. Während sich in Westeuropa vor allem homosexuelle Männer anstecken, sind in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara mehrheitlich Frauen infiziert​.

Für manche Länder ist die Krankheit eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Katastrophe. Denn von HIV und Aids sind besonders die jüngeren und mittleren Altersgruppen betroffen – also die für die Entwicklung dieser Länder besonders aktive Generation der 20- bis 40-Jährigen.

So ist zum Beispiel in Botsuana in der Altersgruppe der 15- bis 49-Jährigen mehr als jeder Fünfte mit HIV infiziert. Dort werden in absehbarer Zeit in sehr vielen Familien die Ernährer erkranken oder sterben. In Südafrika gibt es bereits heute mehr als zwei Millionen sogenannte Aids-Waisen​, also Kinder, die mindestens einen Elternteil durch Aids verloren haben. Durch die Epidemie sank dort die durchschnittliche Lebenserwartung zwischen 1990 und 2005 von 62 auf knapp 52 Jahre. Inzwischen ist sie wieder auf über 57 Jahre gestiegen.

Medikamente bremsen Krankheitsverlauf

Tabletten, die Hoffnung schenken: Eine antiretrovirale Therapie kann bei HIV-Infizierten den Ausbruch der Krankheit Aids über Jahre oder sogar Jahrzehnte aufhalten.
Tabletten, die Hoffnung schenken: Eine antiretrovirale Therapie kann bei HIV-Infizierten den Ausbruch der Krankheit Aids über Jahre oder sogar Jahrzehnte aufhalten.
© Kate Holt/IRIN

Auch wenn diese Zahlen dramatisch sind: Der Trend ist positiv. Durch wissenschaftliche Fortschritte und intensive internationale Zusammenarbeit konnte zum Beispiel die Zahl von Neuinfektionen bei Kindern in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden. Auch die Zahl der Menschen, die an Aids sterben, geht seit Jahren zurück.

Das liegt vor allem daran, dass mittlerweile die Hälfte der HIV-Infizierten eine Therapie erhält. Es gibt zwar weder einen Impfstoff gegen HIV noch ein Heilmittel, das die Infektion beseitigt. Doch es gibt spezielle Medikamente, die verhindern, dass sich das Virus im Blut vermehrt. Durch eine solche "antiretrovirale Therapie" kann bei den Infizierten ein Ausbruch der Krankheit über Jahre oder sogar Jahrzehnte aufgehalten werden. Und es kann verhindert werden, dass infizierte Mütter das Virus auf ihre Kinder übertragen.

Eine Laborantin untersucht Blutproben im Labor der Deutschen Aids-Stiftung in Maputo (Mosambik).
Eine Laborantin untersucht Blutproben im Labor der Deutschen Aids-Stiftung in Maputo (Mosambik).
© Thomas Trutschel/photothek.net

Das tut Deutschland

Deutschland setzt sich sehr dafür ein, die weitere Verbreitung von HIV und Aids zu stoppen und HIV-Infizierten ein Leben in Würde zu ermöglichen.

Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) startet zum einen eigene HIV-Programme in einzelnen ​Entwicklungsländern. Zum anderen unterstützt es Programme internationaler Organisationen, zum Beispiel der Europäischen Union und der Vereinten Nationen. Einsatzgebiete sind zum Beispiel:

Vorbeugung:
Aufklärung, wie eine HIV-Infektion vermieden werden kann, an die Traditionen in den verschiedenen Ländern angepasste Werbung für den Gebrauch von Kondomen, Sexualerziehung, Hilfsprogramme für besonders betroffene Minderheiten, etwa Homosexuelle oder Drogenabhängige

Verbesserung der Gesundheitsversorgung:
Zugang zu kostenlosen HIV-Tests, zu Pflege- und Betreuungsangeboten sowie zu bezahlbaren antiretroviralen Medikamenten

Entwicklung eines Klimas der Solidarität:
Schutz von HIV-Infizierten und von Aids-Waisen vor sozialer Ausgrenzung, Förderung von Selbsthilfegruppen, enge Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen, kirchlichen Einrichtungen und lokalen Wirtschaftsbetrieben

Wissen aufbauen, Vorurteile abbauen

In einem Ausbildungszentrum in Mosambik klären angehende Lehrerinnen ihre Kollegen über die Übertragungswege von HIV auf.
In einem Ausbildungszentrum in Mosambik klären angehende Lehrerinnen ihre Kollegen über die Übertragungswege von HIV auf.
© Ute Grabowsky/photothek.net

Das Thema HIV und Aids wird auch in andere Bereiche der Entwicklungszusammenarbeit eingebunden. Unterstützt Deutschland zum Beispiel ein Entwicklungsland im Bereich Bildung, wird das Thema in die Lehrpläne der Schulen und in die Lehrerausbildung aufgenommen. Denn nur wer weiß, wie das Virus übertragen wird, kann sich vor einer Infektion schützen – und Vorurteile gegenüber HIV-Infizierten und Aids-Kranken abbauen helfen.