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Manniac erklärt
© BMZ

Was kann ich gegen Hunger tun?

Manniac erklärt

Hunger

Genug Nahrung zu haben, ist ein grundlegendes Menschenrecht. Dennoch hungern zurzeit etwa 795 Millionen Menschen, zwei Milliarden sind mangelernährt.

Jeden Tag sterben rund 8.500 Kinder, weil sie nicht genug zu essen bekommen haben.

Dass so viele Menschen hungern, ist eine Katastrophe. Besonders tragisch ist, dass diese Katastrophe vermeidbar wäre.

Fachleute sind überzeugt, dass insgesamt genügend Nahrungsmittel produziert werden, um alle Menschen auf der Erde zu ernähren. Doch die Nahrung ist extrem ungleich verteilt.

Rein zahlenmäßig leben die meisten von Hunger betroffenen Menschen in Asien, vor allem in Indien und China. Der prozentuale Anteil der Hungernden an der Bevölkerung ist jedoch in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara am größten: Dort hungert fast jeder vierte Mensch.

Was ist Hunger?

Ein Mann auf dem Markt von Sokode in Togo hält eine leere Schale in seinen Händen.
Ein Mann auf dem Markt von Sokode in Togo hält eine leere Schale in seinen Händen.
© Ute Grabowsky/photothek.net

Ein Mensch hungert, wenn er nicht genug zu essen hat, um sein Körpergewicht zu halten und zugleich leichte Arbeit zu verrichten. Wie viel Nahrung benötigt wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es hängt von Größe, Alter, Geschlecht, Tätigkeit und auch vom Klima ab, in dem man lebt.

Experten schätzen den täglichen Energiebedarf eines Menschen, der durch Nahrungsmittel gedeckt werden muss, auf durchschnittlich etwa 2.100 Kilokalorien. (Die Kilokalorie ist eine Einheit für den Energiegehalt von Lebensmitteln.) Wenn eine Person pro Tag nur Nahrung mit weniger als 1.400 Kilokalorien essen kann, spricht man von extremer Unterernährung und chronischem (=dauerhaftem) Hunger.

Zum Vergleich: Laut aktuellen Statistiken nehmen die Menschen in vielen Industrieländern jeden Tag zwischen 3.000 und 4.000 Kilokalorien zu sich.

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Zusammen mit dem Schauspieler Tom Wlaschiha haben wir uns vor Ort in Äthiopien umgesehen, was konkret für das Menschenrecht auf Nahrung getan wird. Denn eine Welt ohne Hunger ist möglich.
© BMZ

Mit Tom Wlaschiha in Äthiopien

Zusammen mit dem Schauspieler Tom Wlaschiha haben wir uns vor Ort in Äthiopien umgesehen, was konkret für das Menschenrecht auf Nahrung getan wird. Denn eine Welt ohne Hunger ist möglich.

Ursachen von Hunger

Die Hauptursache von Hunger ist Armut. Rund 70 Prozent der hungernden Menschen leben auf dem Land, also dort wo Nahrungsmittel angebaut werden. Doch viele Regierungen haben sich jahrelang zu wenig um die ländliche Entwicklung gekümmert.

Die Wasser- und Stromversorgung auf dem Land ist oft schlecht, ebenso der Zustand der Straßen. Dadurch ist es nur schwer möglich, Waren zu produzieren, zu transportieren und mit ihnen Handel zu betreiben.

Außerdem gibt es in ländlichen Gegenden oft zu wenige Schulen und Gesundheitszentren. Die Folge: Millionen Kleinbauern, Hirten, Fischer und Landarbeiter erwirtschaften häufig kaum das, was sie zum Überleben benötigen. Und sie sind zu arm, um zusätzliches Essen zu kaufen.

Weitere Ursachen von Hunger sind Krisen und Konflikte, Naturkatastrophen und die Zerstörung der Umwelt.

Fehlendes Fachwissen

Marktfrauen transportieren Kartoffeln auf dem Markt in Accra, Ghana
Marktfrauen transportieren Kartoffeln auf dem Markt in Accra, Ghana
© Thomas Imo/photothek.net

Ein großes Problem ist auch fehlendes Fachwissen. Ein großer Teil der Nahrungsmittel verdirbt oder wird durch Schädlinge zerstört, weil die Produkte nicht richtig geerntet, gelagert, transportiert und verarbeitet werden.

Die Welternährungsorganisation (FAO) hat berechnet, dass dadurch in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara rund die Hälfte der Obst- und Gemüseernten verloren gehen.

Hunger macht krank

Zwei Jungen in Äthiopien bekommen Milch.
Zwei Jungen in Äthiopien bekommen Milch.
© Michael Gottschalk/photohek.net

Hunger macht krank. Und er bremst die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung vieler Länder.

Dabei bilden Hunger und Armut einen Teufelskreis: Wer arm ist, kann sich nicht ausreichend mit guten Lebensmitteln versorgen und muss darum hungern. Und wer Hunger hat, ist schwach und krank. Er kann deswegen nicht so gut arbeiten und Geld für Lebensmittel verdienen oder die Wirtschaft seines Landes voranbringen.

Hunger wird "vererbt"

Ein Mädchen in Burkina Faso kauft Bohnen
Ein Mädchen in Burkina Faso kauft Bohnen
© Ute Grabowsky/photothek

Hunger, Unterernährung und Armut werden oft "vererbt": Kinder, die nicht genug zu essen bekommen, können sich körperlich und geistig nicht richtig entwickeln.

Viele von ihnen müssen außerdem arbeiten um Geld für ihre Familien zu verdienen. Sie können nicht oder nicht regelmäßig zur Schule gehen und ihre schulischen Leistungen sind entsprechend schlecht – und damit auch ihre Chancen, später eine gute Arbeit zu finden und sich aus eigener Kraft aus der Armut zu befreien.

Hunger zwingt zur Flucht

Abgenutzte Schuhe in einem Binnenflüchtlingslager im Südsudan
Abgenutzte Schuhe in einem Binnenflüchtlingslager im Südsudan
© Thomas Trutschel/photothek

Hunger zwingt außerdem viele Menschen dazu, aus ihren Heimatregionen zu fliehen. Wo Hunger herrscht, kommt es eher zu Konflikten und Gewalt.

Solche Konflikte wiederum können dazu führen, dass die Bauern ihre Felder nicht mehr bestellen können und ganze Ernten verloren gehen. Die Folge davon ist, dass der Hunger sich weiter verschlimmert.

Gestampfte Hirse
Gestampfte Hirse
© Thomas Köhler/photothek.net

Mangelernährung – der versteckte Hunger

Viele Menschen in Entwicklungsländern ernähren sich hauptsächlich von billigen Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mais oder Weizen. Durch diese einseitige Ernährung erhalten sie zwar genug Energie, doch zu wenig Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiße. Eine solche Form von Mangelernährung wird als "versteckter Hunger" bezeichnet. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist Schätzungen zufolge davon betroffen.

Auf Dauer ist versteckter Hunger sehr gefährlich. Wenn Kinder davon betroffen sind, können sie sich körperlich und geistig nicht so gut entwickeln wie bei guter Versorgung mit Nährstoffen. Mangelernährung schwächt außerdem die Abwehrkräfte des Körpers. Dadurch können dann sogar Krankheiten tödlich verlaufen, die eigentlich harmlos sind.

Das tut Deutschland

Pflanzung von Setzlingen auf einem Feld in in Lomé, Togo
Pflanzung von Setzlingen auf einem Feld in in Lomé, Togo
© Ute Grabowsky/photothek.net

Hunger und Mangelernährung zu beseitigen, zählt zu den wichtigsten Zielen der internationalen Entwicklungspolitik. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" gestartet.

Mit ihr sollen vor allem die Kleinbauern gefördert werden, die für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern besonders wichtig sind. Wenn auf den kleinen Farmen mehr geerntet und mehr verkauft wird, müssen die Bauernfamilien nicht mehr hungern. Und wenn sie mehr produzieren, als sie selbst verbrauchen, kommen insgesamt mehr Nahrungsmittel auf den Markt und die Versorgung der gesamten Bevölkerung wird besser.

Grüne Innovationszentren

Solar- und batteriebetriebene Schädlingsfalle. Die Insekten werden vom Licht der Falle angezogen und in ihrem Inneren getötet.
© GIZ
Solar- und batteriebetriebene Schädlingsfalle. Die Insekten werden vom Licht der Falle angezogen und in ihrem Inneren getötet.

Deutschland unterstützt die Bauern dabei, fortschrittliche Produktionsmethoden einzuführen, also zum Beispiel hochwertiges Saatgut und moderne Landmaschinen einzusetzen. Gleichzeitig geht es darum, den Boden und die Wasservorräte schonend zu nutzen. Sie sollen für nachfolgende Generationen erhalten werden. Bereits geschädigte Ackerböden und Weideflächen werden wieder nutzbar gemacht. Wichtig ist auch, die Besitz- und Nutzungsrechte der Felder und Weideflächen klar zu regeln, damit die Bauern nicht von ihrem Land vertrieben werden können.

In 14 Entwicklungsländern hat das BMZ sogenannte Grüne Innovationszentren gegründet. Sie sollen als Vorbild dienen und neuartige landwirtschaftliche Produktionsmethoden in der Landwirtschaft bekannter machen. Dazu bieten sie unter anderem Schulungen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern an. Auch die Weiterverarbeitung von Lebensmitteln wird gefördert. Denn so entstehen vor Ort neue Arbeitsplätze und damit neue Chancen für die Menschen, Geld zu verdienen.