Junge Männer nehmen Elektroschrott auf der grössten Elektromülldeponie in Ghanas Hauptstadt Accra auseinander.
Junge Männer nehmen Elektroschrott auf der grössten Elektromülldeponie in Ghanas Hauptstadt Accra auseinander.
© Thomas Imo/photothek.net

Kernarbeitsnormen

Stell dir vor

... deine Eltern müssten 70 Stunden in der Woche in einer Fabrik arbeiten, ohne festen Arbeitsvertrag.

Stell dir vor, die Fabrik wäre alt und baufällig und ihr müsstet jederzeit damit rechnen, dass sie einstürzt.

Stell dir vor, deine Eltern müssten mit gefährlichen Chemikalien arbeiten, aber sie hätten keine Schutzkleidung, nicht einmal Handschuhe.

Stell dir vor, ihr Arbeitslohn wäre zu niedrig, um davon eure Familie ernähren zu können, und sie müssten darum dich und deine Geschwister zur Arbeit statt zur Schule schicken.

Stell dir vor, der Chef deiner Eltern würde ihnen verbieten, sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen oder in eine Gewerkschaft einzutreten.

Unvorstellbar?

Trotzdem sieht der Arbeitsalltag von vielen Menschen in Entwicklungsländern so oder so ähnlich aus.

Ein junger Arbeiter im Hafen von Dhaka in Bangladesch
Ein junger Arbeiter im Hafen von Dhaka in Bangladesch
© Manoocher Deghati/IRIN

Ziel: Soziale Mindeststandards für alle

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat die Aufgabe, weltweit geltende Mindeststandards für Arbeitsplätze durchzusetzen und schlechte Arbeitsbedingungen, wie sie oben beschrieben werden, zu verhindern. Die Mitgliedsstaaten der ILO haben dazu eine Reihe von Abkommen getroffen, die als "Kernarbeitsnormen" oder "grundlegende Arbeitsrechte" bekannt sind.

Die Kernarbeitsnormen sind international anerkannt und haben den Status von allgemein gültigen Menschenrechten. Das heißt, dass sie für alle Länder gelten – also für die reichen Staaten ebenso wie für die armen.

Im Jahr 1998 wurde die "Erklärung über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit" auf der 86. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz ohne Gegenstimme angenommen. Seitdem bekennen sich alle 187 Mitgliedsstaaten der Organisation ausdrücklich zu den Kernarbeitsnormen und sind verpflichtet, sie zu verwirklichen.

Bislang haben 120 Staaten, darunter auch Deutschland, die Übereinkommen ratifiziert, also durch die nationalen Regierungen offiziell bestätigt.