Bauer auf einem Trecker in Swasiland
Bauer auf einem Trecker in Swasiland
© Mujahid Safodien/IRIN

Ländliche Entwicklung

In vielen Entwicklungsländern leben die Menschen auf dem Land in großer Armut: Sie haben nur einfache Hütten, keinen Wasser- oder Stromanschluss und sie kochen auf offenem Feuer. Viele besitzen ein oder zwei Haustiere – zum Beispiel Ziegen oder Schafe – und haben ein kleines Feld, auf dem sie Ackerbau zur Selbstversorgung betreiben (Fachbegriff: Subsistenzwirtschaft).

Oft reicht das kaum zum Überleben. Wenn einmal eine Ernte ausfällt, weil es zu viel oder zu wenig geregnet hat, droht diesen Familien bittere Armut und Hunger.

Von den 795 Millionen Menschen auf der Welt, die hungern müssen, leben 70 Prozent auf dem Land.

Schwierige Situation auf dem Land

Zwei Bauern bei der Feldarbeit in Äthiopien
Zwei Bauern bei der Feldarbeit in Äthiopien
© Thomas Imo/photothek.net

Von den Regierungen vieler Länder wurden die ländlichen Gebiete lange Zeit vernachlässigt: Die Versorgung der Menschen mit Wasser und Strom ist sehr schlecht.

Außerdem gibt es zu wenige Schulen, Gesundheitszentren, Straßen und Transportmöglichkeiten. Auch der Anschluss an das Internet ist auf dem Land meistens deutlich schlechter als in den Städten. Und die Menschen finden kaum Ausbildungs- oder Arbeitsplätze.

Folge ist die sogenannte Landflucht: Viele Landbewohnerinnen und -bewohner verlassen ihre Dörfer und ziehen in Städte um. Sie hoffen, dort Arbeit zu finden und ein besseres Leben zu haben.

Wachsende Weltbevölkerung braucht Nahrung

Reisernte in Bangladesch
Reisernte in Bangladesch
© Thomas Trutschel/photothek.net

Die ländlichen Regionen sind sehr wichtig für die zukünftige Entwicklung der Menschheit. Denn die Weltbevölkerung wächst und immer mehr Menschen müssen mit Nahrungsmitteln versorgt werden.

Diese Aufgabe kann von der Landbevölkerung übernommen werden. Dazu müssen die Landbewohner aber gute Lebensbedingungen haben und sie müssen fair bezahlt werden. Die Infrastruktur muss ausgebaut und die Landwirtschaft modernisiert werden und es müssen auch in anderen Wirtschaftsbereichen neue Arbeitsplätze entstehen.

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Zusammen mit dem Schauspieler Tom Wlaschiha haben wir uns vor Ort in Äthiopien umgesehen, was konkret für das Menschenrecht auf Nahrung getan wird. Denn eine Welt ohne Hunger ist möglich.
© BMZ

Mit Tom Wlaschiha in Äthiopien

Zusammen mit dem Schauspieler Tom Wlaschiha haben wir uns vor Ort in Äthiopien umgesehen, was konkret für das Menschenrecht auf Nahrung getan wird. Denn eine Welt ohne Hunger ist möglich.

Das tut Deutschland

Benin: Reisernte mit dem Mähdrescher
Benin: Reisernte mit dem Mähdrescher
© GIZ/Klaus Wohlmann

Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) unterstützt mit seiner Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" Partnerländer dabei, ihre ländlichen Regionen zu fördern und für die Anforderungen der Zukunft fit zu machen.

Unter anderem geht es darum, dass die Landwirtschaft produktiver wird, dass also auf gleicher Fläche mehr geerntet wird und gleichzeitig die Qualität der Produkte steigt. Wichtig ist, dass das nicht auf Kosten der Umwelt, sondern auf nachhaltige Weise geschieht: Die Fruchtbarkeit der Böden muss erhalten bleiben, und es darf nicht mehr Wasser verbraucht werden, als die Natur zur Verfügung stellt.

Produktivität steigern

Tröpfchenbewässerung auf einem Feld in Äthiopien
Tröpfchenbewässerung auf einem Feld in Äthiopien
© Thomas Köhler/photothek

Eine Steigerung der Produktivität kann zum Beispiel über besseres Saatgut und über Anbau- und Erntemethoden, die an den Boden und das Klima angepasst sind, erreicht werden. Mit den Bäuerinnen und Bauern wird beraten, wie sie Tiere artgerecht halten können, welche Pflanzen sich für den Anbau besonders gut eignen und wie sie möglichst effektiv düngen und bewässern können. Ein wichtiges Thema ist auch, wie die Erzeugnisse nach der Ernte gelagert, weiterverarbeitet und vermarktet werden können.

Alexandra Ditti

Abedech Mideksam

Samuel Ntim

Alexandra Ditti

Agraringenieurin aus Benin
Alexandra Ditti (rechts)
© BMZ

Agraringenieurin aus Benin

Alexandra Ditti hat in Benin das Unternehmen Sahel Enterprise gegründet. Die Agraringenieurin gibt ihr Wissen über Ernährung und Landwirtschaft an heimische Frauen weiter:

"Frauen nehmen für die Verbesserung der Ernährungssituation eine Schlüsselposition ein: Sie entscheiden, was die Familie zu Essen bekommt und geben Ernährungsgewohnheiten an andere Frauen und an ihre Kinder weiter. Es macht mich glücklich, sie dabei zu unterstützen und zu sehen, wie sich mit ihrem Wissen auch ihre gesellschaftliche Stellung und ihr Selbstvertrauen verbessern."

Die Arbeit von Alexandra Ditti wird von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gefördert.

Abedech Mideksam

Die Bienenzüchterin aus Äthiopien
Abebech Mideksam
© BMZ

Bienenzüchterin aus Äthiopien

Abedech Mideksam hat einen Kurs in moderner Bienenhaltung absolviert, der mit Hilfe der deutschen Entwicklungszusammenarbeit finanziert wurde:

"Ich züchte Bienen, wie mein Vater. Die Bienenhaltung hat in Äthiopien lange Tradition, doch deshalb ist sie nicht altmodisch. Auch auf dem Land kann man Schritt halten mit neuen Trends, beispielsweise dem Einsatz moderner Rauchbläser, durch die der Honig nicht mehr nach Mist riecht wie früher."

Samuel Ntim

Unternehmer aus Ghana
Samuel Ntim (rechts)
© BMZ

Unternehmer aus Ghana

In Ghana sind viele Kinder mangelernährt. Das bedeutet, sie nehmen nicht ausreichend lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe wie Zink, Jod oder Eisen zu sich. Dieser Mangel beeinträchtigt ihre körperliche und geistige Entwicklung.

Der Unternehmer Samuel Ntim reichert Lebensmittel mit Nährstoffen an: "Wir setzen Mineralstoffe und Vitamine hinzu, die wir gezielt danach auswählen, dass sie den Mikronährstoffmangel unserer Grundnahrungsmittel ausgleichen." Sein Unternehmen wird durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt.

Karité-Butter aus Benin

Aus Kariténüssen wird ein Pflanzenfett gewonnen, das als Sheabutter oder Karitébutter bezeichnet wird.
© Vitellaria paradoxa MS 6563 von Marco Schmidt[1] - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vitellaria_paradoxa_MS_6563.JPG#/media/File:Vitellaria_paradoxa_MS_6563.JPG
Aus Kariténüssen wird ein Pflanzenfett gewonnen, das als Sheabutter oder Karitébutter bezeichnet wird.

Im westafrikanischen Benin werden Karité-Nüsse angebaut. Früher wurden die rohen Nüsse direkt nach der Ernte verkauft und brachten nur wenig Geld ein. Heute werden die Nüsse direkt vor Ort gereinigt und geschält und dann von Frauengruppen in kleinen Handwerksbetrieben zu Karité-Butter weiterverarbeitet. Dieses hochwertige Pflanzenfett wird nicht nur zum Kochen benutzt, sondern auch zur Hautpflege eingesetzt. Es ist unter dem Namen "Sheabutter" als Rohstoff für Kosmetika und Schokolade weltweit sehr gefragt.

Mehr als 30.000 Frauen in Benin verdienen mit der Herstellung und Vermarktung der Karité-Butter nun deutlich mehr Geld als früher – und können dadurch zum Beispiel dafür sorgen, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung erhalten.

Gemeinsam sind wir stark

Kaffeeanbau in Kenia: Trocknung von Kaffeebohnen in einer Kaffekooperative in Embu
Kaffeeanbau in Kenia: Trocknung von Kaffeebohnen in einer Kaffekooperative in Embu
© Ute Grabowsky/photothek.net

Da viele Kleinbauern die gleichen Probleme bewältigen müssen, ermutigt Deutschland sie, sich zu Genossenschaften zusammenzuschließen. Gemeinsam können sie ihre Interessen besser vertreten – zum Beispiel von der Regierung eine Stromversorgung für ihre Dörfer fordern. Auch größere Anschaffungen fallen leichter, wenn man sich die Kosten dafür teilen kann.

So können die Bauern beispielsweise ein gemeinsames Bewässerungssystem für ihre Felder aufbauen oder eine Landmaschine kaufen, die dann allen Genossenschaftsmitgliedern zur Verfügung steht.

Auch Mikrokredite und Mikroversicherungen sind gute Möglichkeiten, um Armut zu bekämpfen und Kleinbäuerinnen und -bauern abzusichern.