Kinder aus einem Fischerdorf in Brasilien
Kinder aus einem Fischerdorf in Brasilien
© Thomas Köhler/photothek.net

Menschenrechte

Jeder Mensch hat grundlegende Rechte

Jemand versucht dich einzusperren oder dich zu einer Arbeit zu zwingen, die du nicht machen willst? Jemand benachteiligt dich, weil du eine Behinderung hast oder schwarz oder arm oder ein Mädchen bist? Jemand will dir deine Religion verbieten oder will verhindern, dass du zur Schule gehst und dich im Internet informierst?

Ohne groß darüber nachzudenken, spüren wir, dass so etwas Unrecht ist. Es verstößt gegen die grundlegenden Rechte, die jeder Mensch hat, die Menschenrechte.

Seit wann sind die Menschenrechte international anerkannt?

Flaggen verschiedener Nationen vor dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen.
Flaggen verschiedener Nationen vor dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen.
© photothek.net

Schon vor mehr als 2.500 Jahren dachten Philosophen und Herrscher über bestimmte Rechte nach, die allen Menschen zustehen. Zuerst ging es dabei nur um einzelne Fragen, zum Beispiel, ob Sklaverei erlaubt ist oder ob man seine Religion frei wählen darf.

Im antiken Rom, im Mittelalter und ab etwa 1700, im sogenannten Zeitalter der Aufklärung, entstanden immer umfassendere Dokumente, in denen bestimmte Rechte genannt wurden, die für alle Menschen gelten. Dazu gehören zum Beispiel die englische Magna Carta von 1215, die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von 1776 und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die 1789 in Frankreich verkündet wurde.

Noch unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs verabschiedeten die Vereinten Nationen dann 1948 die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte". Seither sind die Menschenrechte weltweit anerkannt. Viele Staaten haben den Inhalt der Erklärung in ihre Verfassung aufgenommen, auch das deutsche Grundgesetz basiert auf ihr.

Der Tag, an dem die Erklärung verkündet wurde – der 10. Dezember – ist seitdem der internationale Tag der Menschenrechte.

Ein syrisches Mädchen in einem Flüchtlingslager in der Türkei hält einen Ball in Form einer Weltkugel hoch.
Ein syrisches Mädchen in einem Flüchtlingslager in der Türkei hält einen Ball in Form einer Weltkugel hoch.
© Thomas Trutschel/photothek.net

Was ist das Besondere an den Menschenrechten?

Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beginnt mit dem Satz: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren."

Dadurch wird gleich am Anfang der Erklärung deutlich gemacht: Menschenrechte sind angeborene Eigenschaften. Niemand muss oder kann sie uns geben, wir haben sie einfach darum, weil wir Menschen sind, viele sagen auch, wir haben sie "von Natur aus".

Dass die Menschenrechte für alle und überall auf der Welt gültig sind, macht auch Artikel 2 der Erklärung deutlich: "Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand."

Was unterscheidet die Menschenrechte von normalen Gesetzen?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist kein Gesetz. Sie ist nur eine Art Empfehlung – allerdings hat sie seit ihrer Verkündung eine sehr große Wirkung entfaltet.

Um die Menschenrechte auch für Gerichte verbindlich zu machen und ihnen die Bedeutung von Gesetzen zu geben, haben die Vereinten Nationen 1966 zwei sogenannte Menschenrechtspakte verabschiedet: den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Sozialpakt) und den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (Zivilpakt).

Die beiden Pakte bilden zusammen mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte die Internationale Menschenrechtscharta (Charta, gesprochen: Karta = für das Staats- und Völkerrecht grundlegende Urkunde). Dadurch sind die Menschenrechte heute fast überall auf der Welt genauso gültig wie Gesetze. Für Deutschland gilt das ohnehin, denn hier wurden alle Menschenrechte in das Grundgesetz aufgenommen.

Was steht in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte?

Sitzungssaal des UN-Menschenrechtsrats in Genf
© Thomas Trutschel/photothek.net
Sitzungssaal des UN-Menschenrechtsrats in Genf

Die Menschenrechtserklärung besteht aus 30 Artikeln. Sie ist nur etwa fünf Seiten lang. Ihre Sprache ist sehr gut zu verstehen – auch wenn manche der verwendeten Begriffe heute etwas altmodisch klingen, die Erklärung ist ja schon fast 70 Jahre alt.

Den gesamten Text der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte findest du hier.

Die beiden Menschenrechtspakte sind etwas länger und komplizierter, aber auch sie sind für Nicht-Fachleute einigermaßen verständlich.

Den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte vom 19.Dezember 1966 findest du hier.

Den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte vom 19.Dezember 1966 findest du hier.

Justitia, die altrömische Göttin der Gerechtigkeit
Justitia, die altrömische Göttin der Gerechtigkeit
© Thomas Imo/photothek.net

Verschiedene Arten von Rechten

Die in den Menschenrechtspakten genannten Rechte lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:

Persönlichkeitsrechte
Dazu gehören das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit und der Schutz vor Folter und vor Prügelstrafen.

Freiheitsrechte
Dazu gehören die Rechte auf Freiheit, Sicherheit und Eigentum und zum Beispiel auch die Religions-, die Meinungs- und die Reisefreiheit.

Justizielle Rechte
In dieser Gruppe geht es um die Rechte, die Menschen in Zusammenhang mit Gerichtsverfahren haben. Dazu gehören das Recht auf ein faires Verfahren, der Anspruch darauf, vor Gericht angehört zu werden und die Unschuldsvermutung (das heißt, dass ein Gericht immer erst mal davon ausgehen muss, dass ein Angeklagter unschuldig ist, und dass das Gericht die Schuld beweisen muss, bevor jemand verurteilt wird.)

Soziale Rechte
Dazu gehören unter anderem die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, das Recht auf Arbeit und angemessene Bezahlung, das Recht auf Bildung und das Recht auf den besten erreichbaren Gesundheitszustand.

Werden die Menschenrechte überall eingehalten?

Menschen holen Wasser in einem UN-Lager für Binnenvertriebene in Südsudan
Menschen holen Wasser in einem UN-Lager für Binnenvertriebene in Südsudan
© Thomas Trutschel/photothek.net

Leider nein. In vielen Ländern werden sie mehr oder weniger stark missachtet.

Zum einen gibt es Regierungen, die absichtlich gegen die Menschenrechte verstoßen: Sie stecken Menschen grundlos ins Gefängnis, schränken die Meinungsfreiheit ein oder benachteiligen große Teile der Bevölkerung, zum Beispiel Mädchen und Frauen.

Zum anderen führen schlechte Lebensumstände in vielen Regionen der Welt dazu, dass die Menschenrechte nicht eingehalten werden: Viele Millionen Menschen sind arm, viele Millionen müssen hungern, Millionen Menschen sterben an Krankheiten, die behandelt werden könnten – aber sie haben keine Ärzte, die ihnen helfen könnten, oder kein Geld für die notwendigen Medikamente. Allen diesen Menschen wird das Recht auf ein würdiges Leben verweigert.

Das tut Deutschland

Kunstwerk Grundgesetz 49 des israelischen Künstlers Dani Karavan an einem Bürogebäude des Deutschen Bundestags
Kunstwerk Grundgesetz 49 des israelischen Künstlers Dani Karavan an einem Bürogebäude des Deutschen Bundestags
© Thomas Köhler/photothek.net

Innerhalb von Deutschland sorgen Gesetze, Behörden, Gerichte und auch viele engagierte Menschen dafür, dass die Menschenrechte eingehalten werden. Es passiert darum nur selten, dass sie gebrochen werden.

Wenn außerhalb von Deutschland gegen die Menschenrechte verstoßen wird, kann die deutsche Regierung meistens nur indirekt etwas dagegen tun. Sie macht das zum Beispiel durch ihre Entwicklungspolitik. Diese soll dazu beitragen, dass alle Menschen auf der Welt ihre Rechte einfordern und ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Dazu fördert das BMZ zum Beispiel Projekte, die gezielt die Rechte benachteiligter Bevölkerungsgruppen – wie Frauen, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderungen, indigene Völker oder sexuelle Minderheiten – stärken.

Was kann ich selbst tun?

Wir können nicht von heute auf morgen dafür sorgen, dass die Menschenrechte überall auf der Welt eingehalten werden. Aber wir können etwas dafür tun, dass sich die Situation bessert – indem wir bei unserem eigenen Lebensstil anfangen. Hier nur zwei Beispiele:

Ein wichtiger Grund für die Verletzung von Menschenrechten ist die Armut.

Um sie zu vermindern, können wir zum Beispiel mehr Waren kaufen, die unter fairen Bedingungen hergestellt wurden – also mit angemessener Bezahlung für die Produzenten in Entwicklungsländern.

Auch der Klimawandel trägt dazu bei, dass Menschenrechte verletzt werden – zum Beispiel wenn Menschen durch Überflutungen ihre Heimat und ihre Arbeit verlieren. Wenn wir uns hier in Europa für eine klimaschonende Lebensweise engagieren, helfen wir damit indirekt auch, die Menschenrechte durchzusetzen.