Ein Schneider in einem Slumgebiet in der mosambikanischen Stadt Beira
Ein Schneider in einem Slumgebiet in der mosambikanischen Stadt Beira
© Thomas Trutschel/photothek.net

Mikrofinanzierung

Zu arm für einen Bankkredit

In Entwicklungsländern haben viele Menschen zwar eine kleine Firma oder einen kleinen Bauernhof, sie sind aber trotzdem sehr arm.

Wenn dann zum Beispiel eine Kleinbäuerin Saatgut kaufen muss oder wenn ein Schneider eine neue Nähmaschine braucht, dann haben sie ein Problem: Ihr Geld reicht nicht für solche Investitionen.

Sie könnten versuchen, sich Geld für die nötigen Anschaffungen bei einer Bank zu leihen – also einen Kredit aufzunehmen, so wie das viele Unternehmer weltweit machen. Oft gibt es aber gar keine Banken in der Nähe ihres Wohnorts. Und wenn doch, verleihen diese Banken meistens kein Geld an Personen, die arm sind – die Banken befürchten, das verliehene Geld nicht zurückzubekommen. – Die Bäuerin und der Schneider können aber ohne Saatgut und Nähmaschine nicht weiterarbeiten ...

Kein Zugang zu Finanzdienstleistungen

Kleinbäuerin in Simbabwe
Kleinbäuerin in Simbabwe
© Raphael Hühnerfauth/photothek.net

Nach Schätzungen geht es rund 2,7 Milliarden Menschen so, wie der Kleinbäuerin und dem Schneider aus unserem Beispiel. Sie haben keinen Zugang zu den sogenannten offiziellen Finanzdienstleistungen wie Krediten oder Bankkonten.

Viele sind daher gezwungen, sich Geld für dringend erforderliche Investitionen bei privaten Geldverleihern zu borgen, die oft sehr hohe Zinsen verlangen. Das kann dazu führen, dass ihre Schulden immer weiter steigen.

Frauenschalter in einer Bank in Indien, die Kleinkredite an einkommensschwache Frauen vergibt
Frauenschalter in einer Bank in Indien, die Kleinkredite an einkommensschwache Frauen vergibt
© KfW-Bildarchiv/Joachim E. Roettgers

"Mikro" bedeutet "klein", ist aber in diesem Fall eine große Hilfe

Mikrofinanzorganisationen bieten armen Menschen und Kleinunternehmern die Möglichkeit, ein Sparkonto zu eröffnen. Dadurch können sie regelmäßig etwas Geld zurücklegen und sich mit der Zeit ein finanzielles "Polster" schaffen. Falls dann einmal eine Anschaffung erforderlich ist, können sie das gesparte Geld dafür verwenden.

Die Organisationen bieten auch Kredite an. Weil meistens nur kleine Summen erforderlich sind, nennt man sie Mikrokredite ("mikros" ist griechisch und bedeutet "klein").

Diese Kredite werden für eine konkrete Investition zur Verfügung gestellt. Der Rückzahlungsplan wird an die finanziellen Möglichkeiten des Kreditnehmers angepasst.

So kann die Kleinbäuerin gutes Saatgut kaufen, eine bessere Ernte einfahren und damit mehr Geld verdienen. Mit einem Teil davon zahlt sie dann ihren Kredit ab.

Das tut Deutschland

Am monatlichen Banktag zahlen Mikrofinanzkunden Geld bei einer Dorfbank in Pung in Laos ein.
© Thomas Imo/photothek.net
Am monatlichen Banktag zahlen Mikrofinanzkunden Geld bei einer Dorfbank in Pung in Laos ein.

Auch Mikrofinanzorganisationen haben kein Geld zu verschenken. Sie arbeiten im Prinzip genauso wie alle anderen Banken auch. Ihr Geschäftsmodell funktioniert nur, wenn sie finanziell unabhängig sind und sich langfristig selbst finanzieren können. Auf dem Weg dahin werden sie vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) unterstützt.

Weil das Ministerium selbst keine Bankgeschäfte macht, beauftragt es damit die KfW Entwicklungsbank, die dem deutschen Staat gehört. Diese Bank beteiligt sich dann zum Beispiel an einer Mikrofinanzorganisation und wird für einen bestimmten Zeitraum Mitbesitzer des Unternehmens. Außerdem vergibt die Entwicklungsbank auch zinsgünstige Kredite an die Mikrofinanzorganisation. So wird diese für den Fall abgesichert, dass ein Kleinunternehmer seine Schulden doch einmal nicht pünktlich zurückzahlen kann.