Krankenhaus in Bangladesch
Krankenhaus in Bangladesch
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Mikroversicherungen

Im Notfall helfen Großfamilie und Dorfgemeinschaft

In reichen Ländern gibt es Versicherungen, die man für den Fall abschließen kann, dass man in eine Notlage gerät und Hilfe braucht.

In vielen anderen Ländern kann man sich kaum gegen so etwas versichern. Dort hilft im Krisenfall die Großfamilie oder die Dorfgemeinschaft. Wenn jedoch alle Bewohner einer Region gleichzeitig in Not geraten, etwa bei einer Seuche oder einer Naturkatastrophe, funktioniert dieses traditionelle Sicherungssystem nicht mehr.

Viele Betroffene sind dann gezwungen, sich gegen hohe Zinsen Geld zu leihen und sich dadurch stark zu verschulden.

Oder sie müssen ihre Ausgaben stark reduzieren. Sie sparen dann zum Beispiel am Essen, nehmen ihre Kinder von der Schule oder verkaufen im Extremfall sogar ihre Felder – und damit ihre Lebensgrundlage.

Keine staatliche Absicherung

Ein Muschelsuppenstand in Marrakesch, Marokko
© Thomas Köhler/photothek.net
Ein Muschelsuppenstand in Marrakesch, Marokko

Ein staatliches Sozialversicherungssystem mit Kranken-, Renten- und Unfallversicherung gibt es in vielen Entwicklungsländern nicht. Und selbst dort, wo es ein solches System gibt, erreicht es die armen Menschen meistens nicht. Denn die große Mehrheit von ihnen hat keinen Arbeitsvertrag, der die Absicherung regelt.

Viele schlagen sich als Selbstständige durch – etwa als Kleinbauer, Landarbeiter oder Inhaber eines kleinen Ladens oder Handwerksbetriebs. Diese Tätigkeiten werden vom Staat meistens gar nicht erfasst – und daher auch nicht abgesichert.

Mikroversicherungen für einzelne Risiken

Mikroversicherungen helfen, diese Lücke zu schließen. Durch sie kann man sich gegen bestimmte Risiken absichern – zum Beispiel gegen Krankheit und Todesfälle aber auch gegen Wetter- oder Überflutungsschäden.

Weil es sich um Kleinstversicherungen handelt, müssen dafür nur relativ geringe Beiträge bezahlt werden. Dadurch bieten Mikroversicherungen auch Menschen mit niedrigem Einkommen die Möglichkeit, eigenverantwortlich für ihre Zukunft vorzusorgen.

Ein typisches Beispiel für eine Mikroversicherung ist die indonesische Kredit-Lebensversicherung Payung Keluarga ("Schirm der Familie"). Wenn eine Familie sich Geld geliehen hat – zum Beispiel für den Kauf eines Hauses – und dann die Person stirbt, die hauptsächlich für das Einkommen gesorgt hat, zahlt diese Versicherung die noch ausstehenden Schulden an die Bank. Außerdem erhält die Familie ein Übergangsgeld, um die schwierige Zeit nach dem Todesfall zu bewältigen. So sinkt das Risiko der Familie, zu verarmen.

Überschwemmung in Mosambik: Menschen auf dem Weg zu einer Sammelstelle am Save-Fluss
Überschwemmung in Mosambik: Menschen auf dem Weg zu einer Sammelstelle am Save-Fluss
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Das tut Deutschland

Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit erprobt Deutschland verschiedene Ansätze, um auch arme Menschen abzusichern. Mit deutscher Hilfe werden zum Beispiel Studien bezahlt, die erforschen, ob eine bestimmte Mikroversicherung sinnvoll und durchführbar ist.

Auch die Gründung von neuen Mikroversicherungen wird von Deutschland finanziell unterstützt. Zum Beispiel wird Geld in einen Fonds eingezahlt, der dazu dient, das Risiko auf möglichst viele Versicherungsfirmen zu verteilen. Schließlich darf eine Versicherung nicht gleich pleitegehen, wenn tatsächlich der Ernstfall eintritt und viele ihrer Versicherten gleichzeitig Hilfe brauchen, weil zum Beispiel eine Dürre im Land herrscht.

Deutschland fördert eine Mikroversicherung nur dann, wenn der Anbieter nachweisen kann, dass sein Konzept gut durchdacht ist und die Versicherung in naher Zukunft ohne finanzielle Unterstützung von außen auskommen wird. Außerdem müssen die angebotenen Versicherungen gut zu dem passen, was die Bevölkerung des jeweiligen Landes braucht und sie müssen die Lebensbedingungen der Versicherten nachweisbar verbessern.

Eine weitere Voraussetzung für deutsche Unterstützung ist die Breitenwirksamkeit der Versicherungen. Das heißt, der Anbieter muss nachweisen, dass seine Versicherungen für breite Bevölkerungsschichten bezahlbar und geeignet sind.