Straßenszene in Hanoi, Vietnam
Straßenszene in Hanoi, Vietnam
© Thomas Imo/photothek.net

Stadtentwicklung

Immer mehr Menschen

Das gab es noch nie in der Geschichte der Menschheit: Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Noch vor ungefähr 70 Jahren lag dieser Anteil bei nur 30 Prozent.

Und alles spricht dafür, dass der Trend sich fortsetzt: Bis 2050 werden voraussichtlich 80 Prozent aller Menschen in Städten leben. Man spricht deshalb von einer weltweiten Verstädterung oder auch von Urbanisierung (vom lateinischen "urbs" = Stadt).

Nicht nur die Städte werden immer größer, auch die Gesamtzahl der Weltbevölkerung wächst beachtlich: Im Jahr 1900 lebten 1,6 Milliarden Menschen auf der Erde, 1966 waren es bereits 3,4 und 1999 sechs Milliarden. Schon 2011 wurde die siebte Milliarde erreicht.

Bis Mitte 2050 wird die Zahl wahrscheinlich auf etwa zehn Milliarden ansteigen. Dieser Wert soll dann, so haben es Forscher berechnet, erst einmal stabil bleiben.

Megacities

Großstadt

© unsplash unter CC-Lizenz

Im Jahr 2030 wird es voraussichtlich mehr als 40 Megacities auf der Welt geben , also städtische Ballungsräume mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. Nur wenige dieser Riesenstädte liegen in Industrieländern (zum Beispiel Tokio, New York und London) – die meisten liegen in Entwicklungs- und Schwellenländern (zum Beispiel Karatschi, Lagos und Rio de Janeiro).

Das schnelle Bevölkerungswachstum in Städten führt oft dazu, dass sich ihre Flächen enorm ausweiten. Armutsviertel dehnen sich unkontrolliert aus, gleichzeitig ziehen die reicheren Einwohner aus den dicht besiedelten Zentren in Vorortsiedlungen um.

Metropolregionen

Die Ausweitung der Städte führt dazu, dass immer mehr von ihnen zu sogenannten "Metropolregionen" zusammenwachsen. Ein Beispiel dafür aus Deutschland ist die Region Rhein-Ruhr in Nordrhein-Westfalen.

Eine der größten Metropolregionen der Welt ist Jabodetabek auf der indonesischen Insel Java. Die Hauptstadt Jakarta ist dort mit den Städten Bogor, Depok, Tangerang und Bekasi zusammengewachsen.

Chancen der Verstädterung

U-Bahn in Mailand
U-Bahn in Mailand
© benfuenfundachtzig unter CC-Lizenz

Städte sind Zentren für Fortschritt, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Hier finden die Menschen leichter zusammen, um sich gesellschaftlich oder politisch zu engagieren und die Zukunft positiv zu gestalten.

Durch ihre Größe ist es für Städte einfacher und billiger als für ländliche Gebiete, für soziale und kulturelle Angebote zu sorgen. Städtische Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sind für viele Menschen leicht zu erreichen. Darum können zum Beispiel benachteiligte Gruppen in Städten leichter am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben teilhaben als auf dem Land.

In vielen Staaten sind die Städte auch wirtschaftlich besonders attraktiv. Sie bieten den Unternehmen meist deutlich bessere Bedingungen als die ländlichen Regionen (ausgebaute Straßen, Energieversorgung, Internet, ausgebildete Arbeitskräfte).

Bewohner einer Slumsiedlung in Neu-Delhi, Indien
Bewohner einer Slumsiedlung in Neu-Delhi, Indien
© Michael Gottschalk/photothek.net

Risiken der Verstädterung

In den wachsenden Städten der Entwicklungsländer nimmt die Armut rasant zu. In den dicht besiedelten Elendsvierteln fehlt meistens eine akzeptable Trinkwasserversorgung und oft gibt es weder Kanalisation noch Müllabfuhr.

Schon heute entstehen 80 Prozent aller Abfälle und mehr als 60 Prozent der Treibhausgase in Städten. Abgase und Feinstaub gefährden nicht nur das Klima, sondern auch die Gesundheit der Einwohner.

Ein weiteres Risiko ist, dass viele Hütten und Häuser ohne Fachkenntnisse und an unsicheren Standorten gebaut werden, etwa an Berghängen und Flussufern.

Wem das Land gehört, auf dem die Häuser stehen, ist meistens nicht geklärt. Darum leben die Bewohner mit dem Risiko, jederzeit vertrieben werden zu können.

Viele Kinder und Jugendliche in den Armutsvierteln haben kaum Möglichkeiten, in die Schule zu gehen, eine Ausbildung zu machen und eine feste Anstellung zu finden. Sie schlagen sich darum mit Gelegenheitsjobs durch oder versuchen sich mit einem kleinen Gewerbe über Wasser zu halten.

Die schlechten Lebensbedingungen und fehlenden Zukunftsperspektiven führen häufig zu Konflikten und einem Anstieg der Gewalt.

Nachhaltige Stadtentwicklung in Asien

loading jwplayer
Video: Stadtentwicklung in Asien
© BMZ

Die Stadt Naga auf den Philippinen liegt im Zentrum eines Taifun-Gebietes, regelmäßig kommt es zu Überschwemmungen. Mit Hilfe der "Initiative Stadtentwicklung für Asien" (CDIA) wurden in Naga Maßnahmen zur Hochwasserbekämpfung finanziert.

Die CDIA wurde von der Asiatischen Entwicklungsbank und der deutschen Bundesregierung ins Leben gerufen, um mittelgroße Städte bei Investitionen in ihre Infrastruktur zu unterstützen. Auch die Regierungen von Österreich, Schweden und die Stadtverwaltung Shanghai fördern die Initiative.

Bedeutung für die Entwicklungspolitik

Ein Mann transportiert in der Stadt Khulna in Bangladesch Ölfaesser mit einer Rikscha.
Ein Mann transportiert in der Stadt Khulna in Bangladesch Ölfaesser mit einer Rikscha.
© Thomas Trutschel/photothek.net

Wer eine gerechte und nachhaltige globale Entwicklung fördern will, muss sich sowohl mit dem Thema ländliche Entwicklung als auch mit den Chancen und Problemen der Städte befassen. Egal, ob es darum geht, die Armut zu verringern oder die Wirtschaft anzukurbeln, Frauen zu fördern oder Klimaschutzziele zu erreichen: Es müssen passende Konzepte für die wachsenden Städte in den Entwicklungsländern gefunden werden. Denn dort entstehen die meisten Probleme und nur dort können sie auch gelöst werden.

Das tut Deutschland

Straßenbau in Khulna, Bangladesch
Straßenbau in Khulna, Bangladesch
© Thomas Trutschel/photothek.net

Deutschland fördert in seinen Partnerländern eine große Bandbreite an Stadtentwicklungsprojekten. Ihre Arbeitsbereiche sind unter anderem:

  • Förderung von guter Regierungsführung und Bürgerbeteiligung

  • Beratung der Staatsregierung bei der Entwicklung einer einheitlichen Stadtentwicklungspolitik

  • Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung, das bedeutet Verlagerung von staatlichen Aufgaben auf die Gemeinden, um mehr Bürgernähe zu erreichen

  • Sanierung und Aufwertung von Armutsvierteln

  • Ausbau der Trinkwasser- und Energieversorgung

  • Umweltgerechte Entsorgung von Abwässern und Müll

  • Bau und Modernisierung von Wohnungen, Schulen und Gesundheitszentren

  • Aus- und Fortbildungsangebote sowie Mikrokredite für Kleinunternehmer

  • Klimaschonender Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs

  • Förderung kommunaler Beschäftigungsprogramme, damit mehr Menschen einen Job finden

Eine wichtige Rolle übernehmen dabei auch die deutschen Städte und Gemeinden. Im Rahmen von Städte- oder Projektpartnerschaften unterstützen sie Kommunen in Entwicklungsländern zum Beispiel in den Bereichen Gesundheit, Klimaschutz oder Bürgerbeteiligung.

Mehr zum Thema auf bmz.de